Weihnachtserinnerungen

Weihnachtserinnerungen

Es war Weihnachten – das erste Mal ohne Ihren geliebten Mann. Ihr Blick schweifte durch die Wohnung. Nein, sie hatte dieses Jahr nichts weihnachtlich geschmückt. Das schöne Weihnachtsdorf wartete  eingepackt in den Kisten im Keller. Es hätte sie zu sehr an den gemeinsamen Aufbau in vergangenen Jahren mit ihrem Mann erinnert. Erinnerungen überfallen sie:

Sie sieht sich mit ihrem Mann im Wintergarten, eine Tasse Glühwein in der Hand sich lächelnd zuprostend.

Jeweils der letzte Freitag vor dem 1. Advent genossen sie ihre persönliche Einstimmung auf die Adventszeit. Gemeinsam holten sie den Campingtisch aus dem Gartenhaus und stellten ihn im Wintergarten auf. Während sie die passende flauschige weiße Decke, die als Schnee diente, ausbreitete, holte ihr Mann die vielen Kartons und Kisten aus dem Keller. Oh je, sie hatte vergessen den Rotwein heiß zu machen. Schnell öffnete sie die Flasche, gab Glühweingewürz dazu und wärmte beides auf. Sie freut sich schon auf die erste heiße Tasse mit duftendem Glühwein.

Es war sehr kalt dieses Mal, zu kalt für Ende November. Bewaffnet mit Thermoskanne, Tassen und Gebäck stiefelte sie in den Wintergarten, aus dem weihnachtliche Klänge erschallten.
Ihr Mann hatte den alten CD-Player geholt und eine Weihnachts-CD eingelegt. Auch an eine Kerze hatte er gedacht.

Sie waren sich so ähnlich in diesen beschaulichen Dingen. Mit leuchtenden Augen deckte sie den kleinen runden Bistrotisch mit Glühwein, Gebäck und Geschirr. „So“ sagte sie: „jetzt kann es Weihnachten werden.“ Sie füllte die Tassen, reichte ihm das dampfende Getränk und prostete ihm zu. „Das tut gut“ erwiderte er: „Es ist schön mit Dir zu leben und besonders die Adventszeit mit ihren kleinen Ritualen sind mir sehr ans Herz gewachsen.“

Geschickt öffnete er die große Kiste und holte die Kartons mit den kleinen Häuschen hervor. Es waren Nachbildungen bekannter Rathäuser, ein Brunnen und als Besonderheit ein Abbild der Seiffener Kirche. Seine Aufgabe war der Aufbau und die Beleuchtung der Häuser.

Sie war für die dekorativen Dinge beim Aufbau verantwortlich, es machte ihr riesigen Spaß, die kleinen Bewohner aus den Kartons geschickt zwischen den Häusern zu drapieren. Die Marktfrau mit ihrem Stand, der Briefträger, den Jungen mit dem großen Schneeball u. v. m. erzeugten ein fast reales Bild eines romantischen Weihnachtsdorfes.

„Sollen wir unsere Krippe dieses Jahr mal etwas erhöht stellen?“ fragte er. „Erhöht?, wie meinst Du das?“ antworte sie erstaunt. „Ja, ich erstelle eine zweite Ebene und auf dieser kommt dann der künstliche Schnee mit der beleuchteten Krippe, um die Krippe stellen wir die kleineren Tannen. Und unten im Dorf steht dann der Schneemann usw. Aber wohin mit dem Weihnachtsmann?“ „Das ist eine schöne Idee“ und sie stellte in Gedanken schon den Weihnachtsmann mit Schlitten und Rentier zwischen die großen Bäume nahe dem Dorf.

„So machen wir das.“ sagte ihr Mann und holte zwei Glasbausteine und ein Brett aus dem Keller, das er mit Schneewatte belegte. Behutsam hatte sie in dieser Zeit den Karton mit der Krippe und den Krippenfiguren geöffnet. Sie hielt das Jesuskind andächtig in den Händen. „Frieden wollte er, dafür ist er gestorben. Aber immer wieder gibt es Kriege, Hunger und Not. Ich denke daran, dieses Jahr zwei Pakete für die Bedürftigen in der Kirche ab zu geben. Was meinst Du?“

Mit dieser Idee rannte sie bei ihrem geliebten Mann offene Türen ein. Er nickte mit strahlenden Augen:“ Ja, das machen wir und ein Extrapaket für ein Kind“. Ihre Kinder waren doch schon aus dem Haus. Im Keller lagerten, schön verpackt, Spielzeuge aller Art. Genau daran hatte ihr Mann gedacht. „Ich freue mich, solch einen lieben, mitfühlenden Mann wie Dich zu haben!“ flüsterte sie. “Bevor ich es vergesse, suche ich im Keller schon etwas dafür raus.“ Mit diesen Worten lief sie begeistert in den Keller.

Ihr Mann nickte und beschäftigte sich nun mit der Beleuchtung der Häuser. Zwischen den Häusern hatte er kleine batteriebetriebene Laternen gestellt, die den Ansatz einer Dorfstraße spiegelten. Es dauerte eine Weile, ehe seine Frau aus dem Keller wieder hoch kam. „Schau hier, dieses Holzspielzeug und die Puppe mit den blonden Haaren und blauen Augen, habe ich gedacht ein zu packen. Vorher werde ich der Puppe noch ein schönes Kleid nähen.“ sagte sie mit roten Wangen.

„Ja, ja „ brummelte er beschäftigt, so kannte er seine liebe Frau und das was er sah gefiel ihm jedes Mal aufs Neue. Es hatte sich nicht viel abgeschliffen in ihrer Beziehung.

Nach einigen Stunden Arbeit wurde die Verpackung eingeräumt und in den Keller gebracht. Das Weihnachtsdorf war aufgebaut, alle Fenster in den Häusern waren nu n hell erleuchtet. Geschafft, aber auch in freudiger Erwartung das stimmungsvolle Dorf zu genießen, sanken sie auf die Bistrostühle und stießen mit ihren Tassen an. “Prost, wir haben es mal wieder geschafft. Es ist so schön geworden, manchmal scheint es mir, als ob das Dorf mit jedem Jahr schöner wird.“ flüsterte sie. Das Deckenlicht war ausgeschaltet, nur die Lichter aus den Häusern und Gassen erhellten den Wintergarten in stimmungsvollem Licht. Sie waren eins in den Gedanken und Gefühlen.

Klopf, klopf, klopf – Es klopfte an der Glastür vom Wintergarten, erschreckt tauchte sie aus ihren tiefen Erinnerungen auf und rieb sich die Augen. Mit langsamen Schritten ging sie in den Wintergarten.

Ein Gesichtchen mit einer kleinen Nase presste sich an die Scheibe, dahinter blitzten bunte Lichter. Verdutzt öffnete sie die Türe und Zoe, ihre kleine Enkelin reichte ihr ein kleines buntes Windlicht, das sie selbst gebastelt hatte. Dahinter standen ihre Kinder und Enkelkinder. Alle hielten sie etwas Leuchtendes in der Hand. Nur ihr Sohn hielt einen kleinen schön geschmückten und mit kleinen Lichtern versehenen Weihnachtsbaum in der Hand.

Sie drückte ihr Enkelchen an sich und wollte ihre Tränen unterdrücken. „Lass sie laufen die Tränen, Mama“, sagte die älteste Tochter leise „Deshalb lieben wir Dich doch.“ Und dann erklang „Stille Nacht, heilige Nacht“ aus den Kehlen ihrer Familie. Jeder wollte umarmt werden. Der Sohn holte den weißen Tisch aus dem Gartenhaus, legte eine Decke auf. Der mitgebrachte geschmückte Baum kam in die Mitte und rund herum stellten sie ihre kleinen Präsente.

Die jüngere Tochter stellte eine Thermoskanne mit heißem Glühwein auf den Bistrotisch, ein Enkelchen holte Tassen und Teller und ein anderes packte die mitgebrachten Kekse aus. Alle wuselten rum, um das Tischchen zu decken.

„Frohe Weihnachten, Mama“  Alle strahlen, trotz laufender Tränen. Der Vater und Opa war nicht vergessen. Kai, der Enkelsohn hatte flugs das Bild vom Opa aus dem Wohnzimmer geholt und unter den Tannenbaum gestellt. „Er gehört doch auch dazu.“ Das war das schönste Geschenk, ihr Mann war nicht vergessen. Doch sie hätte über den Verlust ihres Mannes an Weihnachten fast die Liebe ihrer Kinder vergessen.

In diesem Augenblick schaute sie in die Gesichter ihrer Kinder und entdeckte Züge ihres Mannes darin. „Er lebt in ihnen weiter“ dachte sie „ wie schön dass es sie gibt.“

Geschrieben von

Stephanie Maltzan

für Ihre Freunde und Klienten

 

 

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