Weihnachten – Zeit der Besinnung

Der Weihnachtsmann

Keiner sah ihn,  wie er müde durch die Straßen stapfte – der Weihnachtsmann verstand die Welt nicht mehr.  

Statt Rentiere musste er nun einen LKW nehmen,  so viele und so große Pakete hatte er zu verteilen, einfach verpackt, nur der Namen stand drauf.

Die passten nun nicht mehr durch den Kamin. Sorgfältig versuchte er die großen Geschenke vor dem Haus zu verstecken, damit die Kinder sie nicht zu früh sahen. Aber er hatte auch noch einen Sack dabei, mit kleinen liebevoll  geschmückten Päckchen, mit selbstgebastelten bemalten Anhängern auf denen der Namen stand. Bunte Bänder und kleine Zweige schmückten sie.

Da lachte sein Herz, so kannte er es von früher.

Das Christkind beobachtete ihn aus dem Himmel mit Stirnrunzeln, er tat ihr leid.

„Weihnachtsmann“ sprach es „ Auch Dir möchte ich einen Wunsch erfüllen! Sag, womit könnte ich dir eine Freude bereiten?“

Erschrocken blickte er hoch zum Himmel: “ Christkind, hast Du mich etwa beobachtet?“

„Ja und Du siehst müde und etwas enttäuscht aus! Deshalb möchte ich Dir einen Herzenswunsch erfüllen. Sag, was wäre Dir eine große Freude“

„Ach Christkind, ich verteile nun immer größere und schwere Pakete, komme nicht mehr durch den Kamin und kann die Freude der Kinder nicht mehr sehen. Gerne wäre ich dieses Jahr unsichtbar oder als Mäuschen bei einigen Kindern dabei. Ich möchte ihre Freude und Liebe spüren, das macht mich stark für das nächste Jahr, das gibt mir Hoffnung für die Menschen.“

„Ein seltsamer Wunsch“ sagte das Christkind „aber sei es drum, ich erfülle ihn Dir. Sobald die Pakete verteilt sind, darfst Du unerkannt bei einigen Bescherungen in den Häusern dabei sein.“

„Danke“ sagte der Weihnachtsmann und stapfte mit neuem Elan geschwind weiter, damit er bald fertig war.

Als  er das letzte Paket verteilt hatte, stand er vor einem großen, festlich erleuchteten Haus und dachte sich, da würde ich gerne Mäuschen spielen, da muss doch große Freude und Liebe sein.

Unsichtbar kam er in das vornehme Haus, im Wohnzimmer stand ein riesengroßer Weihnachtsbaum, geschmückt mit viel Silber und Gold und vielen Kerzen. Er sah auch die vielen Pakete, die sich stapelten, er hatte sie ja selbst gebracht, und wartete gespannt auf das Klingeln, dass die Bescherung  einläutete. Eine vornehm gekleidete Frau legte eine CD in das Gerät und Weihnachtsmusik erklang:

Jingle bells, jingle bells…

Sie läutete das Glöckchen, die Türe wurde aufgerissen, ein Junge und ein Mädchen stürmten herein und stürzten sich auf die Geschenke. Sie suchten sofort nach den Paketen mit ihren Namen beschriftet,  rissen die Verpackungen auf, eine nach der andern , nahmen elektronische Geräte und teures Spielzeug raus. Einen „frohes Weihnachten“ murmelnd überreichten sich die Erwachsenen zwar auch ihre Geschenke, aber alles erschien doch ziemlich lieblos. Keiner beschäftigte sich mit den Kindern und ihren neuen Schätzen. Die hatten das  gewünschte Geschenk bald leid, nachdem sie ihren Freunden per sms stolz mitgeteilt hatten, was sie bekommen hatten. Sie machten sogar Fotos und verschickten diese.  Der Esstisch war reichlich gedeckt  mit exotischen und ausgefallenen Gerichten. Sie setzten sich dann an den mit exotischen und ausgefallenen Speisen gedeckten Tisch, aber es kam keine richtige Stimmung auf. Gelangweilt schalteten sie den Fernseher ein.

Dafür habe ich mich abgeschleppt, ich soll doch Freude und Liebe bringen, dachte er und verschwand zwischen all dem Verpackungspapier wieder nach draußen.

Enttäusch ging er durch die Straßen, sah in dieses und jenes Fenster, aber keines verlockte ihn ins Haus zu gehen. Dann kam er in eine Straße mit älteren  hohen Häusern, blickte zufällig in ein schwach erleuchtetes Fenster. Wärme strömte durch seinen Körper, da wollte er doch nochmal sehen, wie diese Bescherung war.

Schnell schlüpfte er durchs Schlüsselloch, durch einen schmalen Flur in das erleuchtete Wohnzimmer.  Was er dort sah, ließ sein Herz hüpfen: Ein kleiner Baum, liebevoll geschmückt mit roten Schleifen und selbstgebastelten Strohsternen und Gebäck stand auf einem kleinen Tisch, darunter sah er eine Krippe. Auch die Figuren waren handgefertigt, einfach aber liebevoll. Der Wohnzimmertisch war gedeckt, ein Teller mit Vanillekipferl, Äpfel, Nüssen und Orangen stand darauf. Eine mit Nelken bespickte Orange lag auf der Heizung und verströmte Weihnachtsduft.

Anstelle einer Glocke hatte die Mutter eine Blockflöte und spielte „Stille Nacht, heilige Nacht..“ Leise öffnete sich die Türe und zwei Kinder kamen mit ihrem Vater ehrfurchtsvoll herein, bestaunten den beleuchteten Baum, freuten sich über die Krippe und gemeinsam sangen sie Weihnachtslieder.

Der Weihnachtsmann war versucht mit einzustimmen, aber das hätte ihn ja  verraten.

Er sah das Leuchten in den Augen der Kinder, als sie die liebevoll und hübsch verpackten Päckchen unterm dem Weihnachtsbaum versteckt entdeckten. Dieses Jahr hatten sie nicht damit gerechnet, der Vater hatte seine Stelle verloren und es war wenig Geld zum Leben vorhanden.

Was sie aber nicht wussten, die Mutter hatte heimlich bei einer älteren Nachbarin geholfen zu putzen und etwas Geld dafür bekommen. Für jeden war nun ein Geschenk vorhanden und das wurde freudig und vorsichtig geöffnet.  Der Junge bekam das so sehnlich gewünschte Handy. Auch wenn es gebraucht war, er freute sich riesig darüber. Dem Mädchen hatte die Mutter am Flohmarkt eine besondere Barbie erworben mit vielen kleinen Details wie Ohrringe, Schuhe, Röcke und Kleider. Der Vater öffnete etwas beschämt sein Päckchen, das ein Buch über sein Hobby, dem Basteln enthielt.  Dann lächelte er verschmitzt  und holte ein mit Zeitungspapier eingeschlagenes Paket herein und überreicht es der Mutter. Erstaunt schaute sie ihn an, öffnete es und ein Strahlen ging über ihr Gesicht.  Er hatte ihr ein hölzernes Schmuckkästchen gebaut, schön verziert, weil Zeit hatte er ja genug gehabt, aber wenig Geld.  Alle umarmten sich und wünschten sich ein schönes Weihnachtsfest.

Nach dem Singen gab es Kartoffelsalat mit Würstchen, der Vater bekam eine Flasche Bier dazu, die Mutter einen Pikkolo. Sogar für den Hund hing ein mit Schleife versehen Würstchen im Baum. Sie erzählten, lachten und sangen den ganzen Abend. Der Vater zeigte dem Sohn, wie das Handy funktionierte, die Mutter spielte mit der Tochter.

Der Weihnachtsmann wollte nicht mehr stören und verschwand mit feuchten Augen nach draußen.

Ja, es gab noch Liebe und Harmonie. Es gab noch Menschen, die wissen,  dass  Weihnachten ein Fest der Liebe und der Freude ist.   Die anderen werden es noch lernen – lernen müssen –  da war er sich sicher.

 

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