Auszug aus meinem Büchlein „Momentaufnahmen

Ungeduldig wartend stand sie am Bahnhof. Jetzt soll er einfahren, der Zug, der ihr den Mann ihrer Träume bringt. Der Mann, den sie vor vielen Jahren in der Kur im Schwarzwald kennen gelernt hatte und der sich tief in ihr Herz geschlichen hat. Es war kalt und zugig am Bahnsteig, aber im Herzen spürte sie ein wärmendes Gefühl. Wie mag er aussehen? Und ob es ihm bei mir überhaupt gefällt? Er ist doch viel mehr Luxus gewöhnt! Ach was, Hauptsache er kommt erst mal. So liefen ihre Gedanken im Kreis.

 

Da von weit vorne erschienen die Lichter der Zugmaschine, die ihn zu ihr brachte. Ihr Blick sog die heranbrausenden Lichter regelrecht herbei. Ein starker Windzug, den der Zug mitbrachte, fuhr durch ihren Mantel. Mit lautem Quietschen kam der Zug zum Stehen. Türen öffneten sich und eine Menschenflut ergoss sich, um sich am Bahnsteig zu verteilen. Hastig strebten alle dem Ausgang zu. In diesem Gewühle suchten ihre Augen ihn, den sie so so sehr herbei gesehnt hatte. Kam er dort hinten? Nein, das war er nicht.

Endlich entdeckte sie ihn. Mit langem Mantel, einen Koffer in der Hand, kam er ihr mit suchendem Blick entgegen. Jetzt hatte er sie entdeckt und auf seinem Gesicht entstand das schelmische Lächeln, das sie so sehr an ihm liebte. Er stellte den Koffer ab und nahm sie in die Arme. Schmal war er geworden und so blass, stellte sie fest.

 

Du bist da … endlich!

09.01.2004

Die Uhr tickt
Viel zu langsam
Scheint mir
Aufregung
In meinem Herzen
Grummeln
In meinem Bauch

Die Uhr tickt
Nun ist es Zeit
Ein dumpfes Brausen
quietschende Räder
Wildes Klopfen
In meinem Herzen
Erhöhen den Puls.

Gedankenfetzen
Wirbeln durcheinander
Wie Blätter im Herbstwind
Bildsequenzen
Huschen schemenhaft
Durchs neblige Gehirn
Glücksperlen
Steigen immer höher
Gleich Luftblasen im Glas.

Du bist da – endlich!

 

 

 

 

„Du bist da, endlich“, sagte sie verlegen, „Wie war die Fahrt?“ „Es war sehr voll im Zug, ich mag die Großraumabteile nicht besonders, aber ich wollte zu Dir.“

 

„Dann komm schnell.“ Sie nahm ihn am Arm und führte ihn zu ihrem Auto. Er half ihr, Kavalier wie immer, beim Einsteigen. Die erste Strecke im Auto fuhren sie fast wortlos, trotz der fast spürbaren Spannung. Zaghaft frage sie ihn:“ Kommst Du als Freund oder als Gast?“

Erstaunt sah er sie an: „Wo ist der Unterschied, ich verstehe nicht?“ „Na, als Gast schläfst Du im Gästezimmer.“ Und schaute ihn schelmisch dabei an. „Und als Freund?“. „Hmm, als Freund schläfst Du bei mir!“ erwiderte sie verlegen, aber mutig. Sie wollte wissen, woran sie bei ihm war. Er schaute sie lieb an: „Ich möchte kein Gast sein!“

 

Erleichtert trat sie das Gaspedal stärker durch, um schnell mit ihm daheim zu sein.

 

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